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| Reisebericht eines 914-6 von der Rallye Korsika 2005 die Karte Korsikas alle Bilder die Druckversion |
Endlich konnte es wieder losgehen. Über den Winter war ich in alle Einzelteile zerlegt worden, weil meine Besitzerin meinte, es wäre angebracht mir ein neues Kleid zu verpassen, da die Farbe, die mir Hans-Gerd seinerzeit auftragen lies, eben nicht original war. Bei der Gelegenheit fanden sich ein paar kleine Roststellen, die sich dank meines Vorbesitzers jedoch in Grenzen hielten. Da meine Besitzerin sehr eigen ist, wurde überall nachgeschaut und alles ausgebessert, so dass meine neue (alte) Farbe wieder richtig zur Geltung kommt. Mein Herz wurde auch noch mal wegen der kleinen blauen Wölkchen gründlich untersucht vorigen Winter gab es ja einiges Neues im Innenleben. Ein Ölabstreifring am Kolben hatte sich verkehrt herum eingeschlichen.
![]() Jetzt bin ich also wieder blutorange und zusätzlich hat mir meine Anne auch noch ca. 100 Bäpperles mit Unterschriften und Gemälden verpasst, weil sie ihren Freunden von der letztjährigen Geburtstagsfeier versprochen hatte, als Sponsoren mitfahren zu dürfen. Der Veranstalter sagt zwar immer Kohlenkiste zu mir, hatte mir aber netterweise die Nummer 14 zugeteilt. Deswegen bekamen meine Türen noch große runde Aufkleber mit der Startnummer 14 mit einer kleinen 9 davor und der 6 dahinter, damit jeder weiß, wer ich bin. Vollgepackt ging's am Samstag morgen bei strahlendem Wetter auf die Reise. Nach ca. 35 km auf der BAB A 61 gab es plötzlich in meinem Inneren ein schreckliches Geräusch und Autsch der Motor blockierte! Annes Mann Uli trat geistesgegenwärtig sofort die Kupplung, doch der Motor war aus und nichts ging mehr. Wir rollten an den Straßenrand und Uli versuchte zu starten kein Mucks! Sie versuchten mich zu schieben kein Millimeter! Der Abschleppdienst wurde geordert. Beim Warten hierauf kam Uli eine glorreiche Idee was vorwärts festgeht, könnte rückwärts wieder losgehen! Also legte er den 4. Gang ein und schob mich rückwärts. Ein hässliches, metallisch schabendes Geräusch Knack, Knack und ich rollte wieder etwas. Er startete und mein Herz lief wieder rund!?! Großes Rätselraten doch bevor sie mich wieder nach Hause bringen und alles in meinen großen Bruder, Ulis SC-Coupé (Korsika ohne Cabrio wäre doch eine Schande!) umladen, beschlossen sie es doch mit mir zu riskieren. Der Abschleppdienst wurde zurückgeschickt und mit angehaltenem Atem und Elefantenohren ging es weiter. Kurz darauf tauchte das Geräusch noch einmal auf, doch diesmal lief der Motor weiter. So ging es dann mit kurzem Halt in Martigny (Schweiz) bis ins Aostatal, wo wir übernachteten. Auf dem Parkplatz fand Uli ein Mäuerchen, auf das er mein linkes Hinterrad fuhr, damit er sich unter mich klemmen konnte und baute den Anlasser aus. Der Magnetschalter war ausgehängt merkwürdig aber vielleicht die Ursache für das Blockieren des Motors durch unkontrolliertes Einspuren des Anlassers??? Magnetschalter eingehängt, Anlasser wieder eingebaut und mein Schluckauf war wie weggeblasen. Jetzt sprang ich wieder jedes Mal an!Mit unseren Schweizer Freunden ein MG TC von 1946 bummelten wir durch Italien, Richtung Savona. Unterwegs hatte mein Kumpel ein elektrisches Problem, doch mit Guidos (sein Fahrer) Ersatzteilbestückung und Ulis Bastelleidenschaft war mit dem Reglertausch das erst einmal behoben. ![]() Am nächsten Tag gings von der Fähre zum Frühstück auf den Place St. Nicolas in Bastia, wo schon einheimische Frühaufsteher unsere Oldi-Sammlung bestaunten. Mit von der Partie waren ein Morgan-Threewheeler, ein Morgan +8, ein BMW 328 Roadster, ein Fiat 124-Spider, ein Fiat 850-Spider, ein Austin Healey, ein MB 190 SL, zwei Buckel-Volvos, ein Riley, ein 356-Cabrio, ein Käfer, ein BMW-Motorrad und die Orga-Crew. Die Besatzungen kamen aus Deutschland, der Schweiz, Tschechien und den Niederlanden. ![]() Da Anne mir doch nicht recht über den Weg traute, ließ sie Uli die meiste Zeit fahren, zumal sie auch sicherer im Navigieren ist. Nachdem wir die erste Etappe durch die Kastanienwälder der kurvenreichen Hügel bis zur Mittagsrast hinter uns hatten, ging es weiter an der Ostküste entlang. Hier ließ uns Annes Orientierungtalent auf der Suche nach Chippono im Stich, doch ein Schulbusfahrer nahm uns in seinen Windschatten und führte uns dort hin. Der blaue Buckelvolvo hatte unterwegs thermische Probleme, die den Verdacht auf eine defekte Zylinderkopfdichtung nahe legten. Im Hotel in Santa Giulia ging Uli nach einer ausgiebigen Kontrolle meiner Flüssigkeitsstände erst mal im glasklare Meer baden.
Die zweite Etappe führte uns über die Halbinsel vor Porto Vecchio mit hren wunderschönen Ferienvillen, dann über Solenzara zum Nordaufstieg zum Col de Bavella, der in den Vorjahren wegen Sprengungen immer gesperrt war. Auch diesmal waren die Bauarbeiten noch in vollem Gange, so dass ich mit meinen Mitstreitern zwischen Baufahrzeugen meine Offroad-Qualitäten auf der Schotterpiste zeigen konnte. Das war eine recht staubige Angelegenheit, doch die aussichtsreiche Route entschädigte alle Beteiligten. Da wir unseren angeschlagenen MG-Kumpel nicht aus den Augen lassen wollten und uns beim Znüni etwas verplauderten, fingen wir uns 3 Zeitstrafpunkte ein, der Fahrspaß rechtfertigte dies allemal.
Das Mittagessen in Sartène war wie immer Spitzenklasse. Zurück nach Santa Giulia führte uns die Strecke wieder durch Hospedale mit seinem traumhaften Blick über die weite Doppelbucht von Porto Vecchio. Unterwegs hatten wir immer wieder wie man hier auf Korsika weiß Begegnungen der Dritten Art wie Schweine, Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde, Hunde und Dampfwalzen, Teermaschinen, Betonmischer auf der Fahrbahn, was mir mit meinen guten Bremsen und Ulis Reaktionsvermögen jedoch nichts ausmachte. Eine Weile verfolgen wir den Threewheeler, was bei seinem infernalischen Klang einen höllischen Spaß macht, zumal Gernot als Fahrer schon reichlich Rallyeerfahrungen hat.
Am nächsten Tag hieß es Einpacken und nach einem Blick von Semaphore nach Sardinien ging es nach Bonifacio zum Stadtbummel. Der blaue Volvo war wieder mit von der Partie, weil sich der Zylinderkopf als heile und nur eine Befestigung eines Wasserschlauches als defekt herausstellte. Danach liess es Uli mal richtig fliegen. Mein Herz schlug in den höchsten Tönen, doch beim Bergabfahren nach Tizzano zum Fischessen knallte und spotzte ich lautstark. Uli hatte zur Klanganreicherung meinem Auspuff ein paar Löcher verpasst, was meinen Sound jedoch nicht verbesserte, doch für die Verdauungsbeschwerden im Schiebebetrieb verantwortlich war. Nach dem üppigen Mahl nahmen wir die Route zuerst durch die Berge dann runter nach Propriano wieder auf. Plötzlich fehlte mein MG-Weggefährte im Rückspiegel. Wir kehrten um und fanden ihn auf einem Parkplatz mit wohl größeren Problemen in der Elektrik. Doch Guido hatte vorgesorgt: Eine Lichtmaschine, einen Regler und einen Verteiler in Reserve. Der MG hatte letztes Jahr einen Zusammenstoß mit einem korsischen LKW, wodurch er eine Grundrestauration benötigte. Die neu eingebauten Teile versagten jetzt wohl ihren Dienst. Mit Ulis Hilfe wurden die Teile gewechselt und los gings zur nächsten DK, die glücklicherweise noch besetzt war, was sonst ein Kamel mit 150 Strafpunkten bedeutet hätte. Auf dem Weg nach Ajaccio ließen wir es dann ruhiger angehen, und unsere Besatzungen genehmigten sich am Strand noch einen Espresso.
Die Nacht auf dem Hotelparkplatz verbrachte ich mit den anderen Rallye-Teilnehmern von einem Rottweiler und eigenen Bodyguards bewacht. Am nächsten Tag kurvten wir wieder durchs Hinterland zum Mittagsziel in Evisa zum Wildschweinschmaus. Von dort fuhr mich Anne mit Marianne (MG-Navigator und Guidos Ehefrau) zum malerischen Yachthafen nach Porto und von dort wieder zum Hotel nach Ajaccio und Uli steuerte den MG! Danach hatte der Begriff Kraftfahrer wieder für ihn seine ursprüngliche Bedeutung. Woraufhin Uli und Guido am nächsten Tag nach unserem Empfang beim Bürgermeister, der ein leibhaftiger Grußneffe von Napoleon Bonaparte ist, die Spur des MG mithilfe zweier Aluleisten und einem Gärtnerbandmaß in die richtige Position brachten. Anne und Marianne aalten sich am Hotelpool und ich sonnte mich derweil auf dem Hotelparkplatz. Uli verpasste mir nach Annes Intervention für meinen Auspuff dann doch zwei Schrauben, die den Schiebebetrieb wieder etwas geräuschärmer werden ließen, damit ich nicht immer falsche Luft bekam. Nach dem bemerkenswerten Galadiner des korsischen Abends hatte ich am nächsten Tag ein paar Kilos meiner Besatzung mehr zu transportieren. Die nächste Etappe führte uns zum Col de Verde, dieses Jahr wirklich grün und nicht wie letztes Jahr weiß in Schnee und Eis. Im Restonica-Tal bei Corte hielten wir mittags Siesta. Die Strecke nach Ile Rousse führte uns danach wieder hoch in die Berge, wo ganz hinterhältig die Kameltreiber lauerten. Auf der Suche nach einem netten Lokal für den obligatorischen Nachmittagsespresso wären wir ihnen beinahe wie einige unserer Rallye-Kollegen - in die Falle gegangen. Doch wir fanden die reguläre DK und auch noch ein Plätzchen für unseren Durst…
Das Hotel in Île Rousse lag am Ende der Hafenmole auf einer Landzunge, praktisch mitten im Meer. Die Etappe von hier aus führte uns durchs Inselinnere nach Ponte Leccia, dann an der Westküste direkt am Meer entlang über Serriera zum Mittagessen und Calvi wieder nach Ile Rousse. Auf dem Parklpatz war bei einigen meiner Kollegen wieder Schrauben angesagt. Der BMW hatte Startschwierigkeiten und der Fiat 124-Spider erhebliche Einstellungsprobleme, die sich auch nach fachkundigen Versuchen einiger Besatzungen Uli natürlich auch nicht vor Ort beheben ließen. Am letzten Tag umrundeten wir das Cap Corse mit einem Kringel auf der Nordspitze zu kleinen malerischen Fischerdörfchen. Bis zum Zieleinlauf musste ich mich noch ganz schön sputen, weil wir an einer Baustelle längere Zeit halten mussten. Dafür gab es nochmals eine sehr staubige Schottereinlage. Auf dem Weg nach Murato unserem Ziel fuhren wir zu dritt, ich vorneweg, der MG und der BMW, hintereinander durch die traumhaft schöne Berglandschaft zwischen Bastia und der Westküste. Nach einer Rechtskurve lag auf der Fahrbahnmitte ein Kuhfladen. Anne meinte: Der Kuhfladen hat ja Öhrchen und er bewegt sich! Uli in die Eisen und hält rechts daneben an. Der MG macht einen Schlenker nach links und kommt gerade so noch an dem sich durch den Luftzug rollenden Etwas vorbei. Der BMW kann noch rechtzeitig halten. Helga Besatzung des BMW - steigt sofort aus und schaut es sich näher an. Der Kuhfladen entpuppte sich als ein ca. 3 Wochen altes Tigerkätzchen. Gott sei Dank unverletzt. Wir kamen dann mit Kätzchen noch rechtzeitig ins Ziel und alle drei Besatzungen waren dann damit beschäftigt, das Findelkind zu versorgen. Die BMW-Besatzung hat es dann adoptiert und mit nach Hause genommen, da es hier kaum Überlebenschancen gehabt hätte. Meine und die MG-Besatzung sind jetzt Katzen-Paten. Von dem köstlichen mindestens 7-Gänge-Menue kriege ich ja leider nichts mit, darf mich aber mit dem Mehrgewicht ganz schön abplagen. Bei der Siegerehrung in Bastia erhalten unsere liebgewonnen Rallye-Kollegen mit dem SL den Kamelpokal, da sie es geschafft hatten, die meisten Kamele einzusammeln. Mein MG-Kumpel wird 3. und ich und meine Besatzung mächtig stolze 2., da zu den 3 Strafpunkten keine mehr dazugekommen sind. Der Morgan-Threewheeler und seine Crew werden verdiente Gesamtsieger und erhalten den Ehrenpokal der Stadt Bastia. Gernot war mit seinem Fahrzeug schon 7 Mal am Start und war jetzt erst zum 3. Mal angekommen. Sein Vorkriegsvehikel hatte ihn mehrfach wegen technischer Probleme im Stich gelassen.
Mit viel Wehmut ging es dann wieder auf die Fähre zurück nach Savona. Wir hätten alle gern noch ein bisschen mehr Zeit auf der Insel verbracht. Nach dem großen Abschiednehmen im italienischen Hafen brachen der MG und ich noch zu einem Abstecher an den Comer See auf. Dort trafen wir nochmals die Besatzungen der Volvos, die auch noch ein paar Sonnentage im Süden zulegen wollten. Vom Comer See gings über den Spluegenpass nach Graubünden, um Guidos Geburtstag zu feiern. Bei einer Rundfahrt durch die Umgebung von Versam bemerkte Uli allerdings wieder im Kaltlauf ungesunde Geräusche meinerseits, die sich im Warmen nicht mehr hören ließen.Auf der Heimfahrt von der Schweiz ließ mich dort an der letzten Tankstelle mein Anlasser wieder im Stich. Doch mit kräftigem Schieben ließ ich mich wieder zum Fahren überreden. Auf der letzten 200 km jedoch war das metallische Klappern auch im Warmlauf wieder zu hören. Vorsichtig trug Uli mich den Rest der Strecke nach Hause. Im Moment bin ich also wieder meines Innenlebens beraubt. Die Spannrolle im rechten Kettenkasten hatte die Laufbuchse zur Welle umfunktioniert, was mir nicht so gut bekam. Jedoch ist noch nichts Schlimmeres passiert und mit neuer Spannrolle, Nockenwellenritzel etc. werde ich in den nächsten Tagen wieder fit sein. Anne hat mir sogar noch einen neuen Anlasser spendiert. Zum OGP im August bin ich wieder dabei. See you again. Euer 914-6 blutorange (zeitweise mal dunkelblau) Anne Koppers
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