Porsche 914-6 Club e.V.

Stuttgarter Zeitung.de auf dem 914-6-Clubstand

Stuttgarter Zeitung.de auf dem 914-6-Clubstand

Oldtimer-Messe Stuttgart Die Emotionen sind der eigentliche Wert

Von Michael Petersen 16. März 2014 - 19:35 Uhr

Den genaues Wert eines Porsche-914-6 GT? Den kennen die Herren auf der Stuttgarter Oldtimer-Messe Retro Classics ganz genau. Oldtimer werden immer wertvoller – doch viele Eigner machen sich das nicht zu nutze.

Man mag ihn, oder eben auch nicht: den Porsche 914-6 GT

Foto: Gottfried Stoppel

Stuttgart - Natürlich kennen die Herren des Porsche-914-6-Clubs den Wert ihrer Wagen. „Du sagst 250 000 Euro? Nein, er liegt bei über 300 000 Euro“, so verläuft auf der Retro Classics ein kleiner Dialog über einen hellroten 916-6 GT aus den 70er-Jahren. Eine Rarität, „und ein Porsche, den es nur selten gibt, der ist immer teuer“, wird gesagt. Nur – hier geht es nicht um Gewinnmaximierung.

„Wir haben überhaupt keine kommerziellen Interessen“, betont Rudi Schröder aus Stuttgart, Vorstandsmitglied in dem Club. Rot und schwarz, blau und grün sind die vier 914-6-Exponate auf dem Clubstand. Sie stehen auf einem roten Teppich, aber keinesfalls zum Verkauf. Man ist unter sich und doch auch unter vielen anderen Gleichgesinnten.

„Unsere Klientel hat ganz einfach Spaß an Oldtimern“, betont Karl-Ulrich Hermann, der die Retro Classics vor 14 Jahren erfunden hat. Viele Besucher kommen mit alten Wagen, die für sie reservierten Parkplätze waren am Wochenende überfüllt.

Autos, die man noch richtig fahren muss

Die Fahrer freuen sich über Autos, die selbst fast immer Konzentration und oft eine spezielle Fahrweise einfordern, im Unterschied zu modernen Fahrzeugen, mit denen das Fahren „wie von selbst“ vonstattengeht. Viele, die nicht im Oldtimer anreisen, schrauben zu Hause am alten Material und haben ihre Freude daran wie beim Aufbau einer Modelleisenbahn. Herrmann beobachtet ein vorwiegend fachkundiges Publikum, „und für jeden ist bei uns etwas dabei“ – von Lastwagen und Bussen bis zu den bewunderten Landmaschinen. „Wer einen Lanz-Bulldog anschaut, der weiß, was ein Lanz-Bulldog ist“, sagt Herrmann. Er schätzt die Atmosphäre auf den 100 000 Quadratmetern auf der Stuttgarter Messe. Vertragsgemäß sind 30 Prozent dieser Fläche für Clubs reserviert, die sich zeigen und nichts verkaufen wollen.

Händler bezahlen für ihren Auftritt bei der Retro Classics, ebenso die großen Stuttgarter Hersteller Porsche und Mercedes. Beide haben längst erkannt, wie wichtig der Blick in die Vergangenheit für das Markenimage von heute ist. „Die Retro Classics ist die überregionale Messe für das fachlich interessierte Publikum aus dem süddeutschen Raum“, sagt Mercedes-Museumschef Michael Bock. Die Schau in Bremen richte sich an den Norden, die große europäische Ausstellung, die Techno Classica in Essen, locke viele Zuschauer aus Holland, Belgien oder Großbritannien an. Der Themenschwerpunkt von Mercedes ist 2014 überall derselbe: 120 Jahre Motorsport.

Oldtimerzuwachs bleibt stabil

Fachleute wie Michael Bock registrieren sehr genau, dass der Wertzuwachs von Oldtimern seit zwanzig Jahren bei stabilen sieben bis acht Prozent jährlich liegt, „2013 lag er für die 29 Mercedes-Benz-Modelle bei 11,7 Prozent“, berichtet er. Aber auch Bock betont, „ohne Spaß und Leidenschaft kann man das alles vergessen“.

Auch Organisator Herrmann kommt darauf immer wieder zurück. „Das Garagengold als reine Wertanlage wird überbewertet“, hält er fest. Und er beobachtet, dass ein Delahaye Roadster und der erste Bugatti Royal, seine mit 15 und zehn Millionen Euro versicherten Stars der Schau, mit Distanz betrachtet werden. Emotionen wecken andere Objekte. Deswegen möchte Herrmann bei der Retro Classics 2015 Kleinwagen aus den Wirtschaftswunderjahren hervorheben. „Maico, Gutbrod, Isetta, Kabinenroller oder der Victoria Spatz“, bei der Aufzählung leuchten seine Augen.

Findet sich also für jeden Autotyp ein Sammler?

Auch die Enthusiasten des 914-6-Clubs haben sich einem Automobil zugewandt, für das nicht jeder schwärmt. Als Kohlenkasten mit Rädern wurde der 914 oft abgekanzelt. „Man muss diese Autos mögen, oder man tut es eben nicht“, hält Rudi Schröder trocken fest. Er und manche seiner Clubkollegen mögen den 914 schon lange, sie fahren diese Sportwagen seit ihrer Studentenzeit in den siebziger Jahren. Für 7000 Mark war damals ein ordentlicher 914-6 zu haben, heute liegt so ein Modell bei 70.000 Euro.

Die Besitzer nehmen es zur Kenntnis, mehr nicht.

14.03.2014

Zurück